Was ist androgenetische Alopezie?
Teilen
Androgenetische Alopezie (AGA) ist der klinische Oberbegriff für Haarausfall, der einem genetisch beeinflussten, fortschreitenden Muster folgt. Er beschreibt, was bei Männern und Frauen passiert, und keine Erkrankung, die nur ein Geschlecht betrifft (Quelle: PMC-Übersichtsarbeit zur androgenetischen Alopezie). Wenn du den Begriff auf einem Produktetikett, in einem Suchergebnis oder von einer Ärztin oder einem Arzt gehört hast und nicht sicher bist, ob er auf den Haarverlust zutrifft, den du bei dir bemerkst, erklärt dieser Artikel, was im Haarfollikel passiert, wie sich die männlichen und weiblichen Muster unterscheiden, wie eine Ärztin oder ein Arzt die Diagnose tatsächlich stellt und welchen Artikel du als Nächstes lesen kannst, sobald du erkennst, welches Muster deinen Beobachtungen entspricht.
- Androgenetische Alopezie ist der einheitliche klinische Begriff für erblich bedingten Haarausfall nach männlichem und weiblichem Muster.
- Beiden liegt derselbe Mechanismus zugrunde: Haarfollikel miniaturisieren sich nach und nach unter dem Einfluss eines Hormons namens DHT.
- Die beiden Muster sehen in der Praxis unterschiedlich aus. Deshalb findest du die Details zu den jeweiligen Mustern in den unten verlinkten Artikeln.
- Eine fundierte Diagnose basiert auf einer klinischen Untersuchung und nicht darauf, dass du dein Spiegelbild mit einer Beschreibung vergleichst, die du online gelesen hast.
Was androgenetische Alopezie tatsächlich bedeutet
Diese Definition wird oft so eingeführt, als gelte sie nur für Männer, doch das stimmt nicht. Sie bezeichnet tatsächlich einen fortschreitenden, nach einem bestimmten Muster verteilten Haarausfall mit genetischer und hormoneller Grundlage. Haarausfall nach männlichem und weiblichem Muster sind zwei Ausprägungen derselben Grunderkrankung und keine getrennten Diagnosen. Die Verwirrung entsteht meist dadurch, dass viele Texte zu diesem Thema gewohnheitsmäßig von einem männlichen Publikum ausgehen. Dadurch wird die weibliche Ausprägung oft wie ein nachträglicher Zusatz behandelt, obwohl ihr derselbe Mechanismus zugrunde liegt und sie eine eigene, korrekte Beschreibung verdient.
Du wirst auch die Schreibweise „androgenic alopecia“ sehen. In Suchergebnissen und im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Schreibweisen für dieselbe Erkrankung verwendet. Wenn also auf einer Produktseite die eine und bei einer Ärztin oder einem Arzt die andere steht, ist dasselbe gemeint.
Der Mechanismus: Warum Haarfollikel schrumpfen
Der Prozess, der androgenetischer Alopezie zugrunde liegt, heißt Miniaturisierung der Haarfollikel. Im betroffenen Bereich der Kopfhaut nimmt die Haardichte mit der Zeit ab, weil kräftigere, längere Terminalhaare nach und nach durch kürzere, feinere Haare ersetzt werden, anstatt auszufallen und durch gleichartige Haare ersetzt zu werden.
Mit fortschreitender Miniaturisierung treten mehr dieser Follikel in eine kurze Ruhephase ein und durchlaufen einen vollständigen Wachstumszyklus in weniger als sechs Monaten. Ein gesundes Terminalhaar wächst normalerweise über mehrere Jahre. Durch den verkürzten Zyklus kann das Haar nicht von allein wieder seine frühere Länge oder Stärke erreichen (Quelle: PMC-Übersichtsarbeit zur androgenetischen Alopezie).
Der wichtigste Auslöser dieser Schrumpfung ist Dihydrotestosteron, meist DHT genannt. Es entsteht, wenn ein Enzym namens 5-Alpha-Reduktase auf Testosteron einwirkt. DHT beeinflusst nur jene Follikel, die genetisch empfindlich darauf reagieren. Deshalb folgt der Haarausfall einem bestimmten Muster, anstatt sich gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut zu verteilen. Auch können zwei Menschen mit ähnlichen Hormonwerten ganz unterschiedlich darauf reagieren (Quelle: International Society of Hair Restoration Surgery).
Wenn du ein Mann bist: So sieht das Muster üblicherweise aus
Haarausfall nach männlichem Muster beginnt typischerweise mit einem Zurückweichen des Haaransatzes an den Schläfen, wodurch oft eine Form entsteht, die dem Buchstaben M ähnelt. Hinzu kommt meist eine Ausdünnung am Oberkopf beziehungsweise an der Tonsur, oder beides tritt gleichzeitig auf. Ohne Behandlung kann sich der Haarausfall zu einer kahlen Tonsur entwickeln, wobei vor allem am Hinterkopf und an den Seiten noch Haare bleiben (Quelle: Healthline, Haarausfall nach männlichem Muster).
Mit zunehmendem Alter tritt er auch deutlich häufiger auf: Bei mehr als der Hälfte der Männer über 50 zeigt er sich in gewissem Ausmaß, und Schätzungen zufolge sind es bis zum Alter von 80 Jahren bis zu 80 %. Das Alter allein sagt nicht voraus, wie weit sich das Muster bei einer einzelnen Person entwickeln wird. Es erklärt aber, warum sich die Wahrscheinlichkeit zwischen den Zwanzigern und den Fünfzigern so stark verändert.
Hier geht es mit dem ausführlichen Artikel zum männlichen Muster weiter
Der oben beschriebene Mechanismus betrifft alle, doch die praktischen Fragen, die sich Männer tatsächlich stellen (wie schnell der Haarausfall typischerweise fortschreitet, was die verschiedenen Stadien bedeuten und was man dagegen tun kann), werden ausführlich in Haarausfall nach männlichem Muster einfach erklärt beantwortet.
Wenn du eine Frau bist: So sieht das Muster üblicherweise aus
Haarausfall nach weiblichem Muster sieht deutlich anders aus als die männliche Ausprägung, obwohl derselbe Mechanismus zugrunde liegt. Er zeigt sich üblicherweise als diffuse Ausdünnung am Oberkopf. Dabei wird der Mittelscheitel nach und nach breiter, und an den Schläfen kann der Haaransatz etwas zurückweichen. Ein Zurückweichen des vorderen Haaransatzes wie bei Männern ist dagegen untypisch (Quelle: American Academy of Dermatology, Haarausfall nach weiblichem Muster).
Bei diesem Muster kommt es selten zu vollständigem Haarverlust, denn die Haardecke bleibt insgesamt meist erhalten, auch wenn einzelne Haare feiner werden. Die Veranlagung kann von beiden Elternteilen vererbt werden. Außerdem tritt die Erkrankung nach den Wechseljahren häufiger auf, was auf einen hormonellen Beitrag neben dem genetischen hindeutet.
Da verschiedene andere Erkrankungen bei Frauen ein ähnliches Bild diffuser Ausdünnung hervorrufen können, solltest du auch hier eine Hautärztin oder einen Hautarzt andere Ursachen ausschließen lassen, statt einfach davon auszugehen, dass es sich um AGA handelt. Wenn sich das, was du bemerkst, eher wie ein allgemeiner Haarausfall als wie ein bestimmtes Muster anfühlt, erläutert Haarausfall durch Ausfallen oder Haarverlust? diesen Unterschied genauer.
Hier geht es mit dem ausführlichen Artikel zum weiblichen Muster weiter
Eine vollständige Beschreibung des Musters, eine realistische Einschätzung der Behandlungszeiträume und der aktuelle Stand der Evidenz zu den einzelnen Möglichkeiten findest du in Haarausfall nach weiblichem Muster: Erscheinungsbild und Behandlungsmöglichkeiten. Wenn du speziell die Behandlungen direkt miteinander vergleichen möchtest, stellt Haarausfall nach weiblichem Muster: Behandlungen nach Evidenzlage im Vergleich sie direkt gegenüber.
Wie die Diagnose tatsächlich gestellt wird
Die Diagnose beruht auf einer klinischen Beurteilung: der Krankengeschichte und einer direkten Untersuchung von Kopfhaut und Haaren, manchmal ergänzt durch eine Trichoskopie (eine vergrößerte Ansicht der Kopfhaut), und nicht auf einem einzelnen Bluttest. Ein Anzeichen, auf das medizinisches Fachpersonal achtet, sind Unterschiede im Durchmesser der Haarschäfte im betroffenen Bereich. Eine Abweichung von mehr als 20 % zwischen einzelnen Haaren gilt als aussagekräftiger diagnostischer Hinweis.
Bei Frauen werden im Rahmen einer gründlichen Untersuchung üblicherweise auch mögliche Ursachen wie Eisenmangel sowie Schilddrüsen- und Hormonstörungen abgeklärt, denn sie können eine diffuse Ausdünnung verursachen, die oberflächlich betrachtet AGA ähnelt. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt diese Ursachen im Rahmen der Abklärung überprüfen möchte, erklärt Bluttests bei Haarausfall: Was eine Ärztin oder ein Arzt untersuchen könnte, was dabei üblicherweise dazugehört.
Dieser Artikel und die anschließenden Artikel zu den jeweiligen Geschlechtern können dir helfen, das Muster zu erkennen, das du bei dir bemerkst, und zu verstehen, wodurch es verursacht wird. Es ist jedoch Aufgabe einer Ärztin oder eines Arztes, die Diagnose zu bestätigen und andere mögliche Ursachen auszuschließen – nicht etwas, das sich anhand einer Beschreibung auf einem Bildschirm klären lässt.
Was tatsächlich hilft – kurz gesagt
Minoxidil ist der einzige rezeptfreie Wirkstoff in dieser Kategorie, für den eine Zulassungsbehörde eine Indikation zur Förderung des Haarwachstums anerkannt hat. Alle anderen Inhaltsstoffe, die häufig zusammen damit verkauft werden – einschließlich der Inhaltsstoffe aus dem Sortiment von Quintéa –, sind ergänzende oder kosmetische Zusätze und kein Ersatz dafür. Die unten abgebildete Flasche Minoxidil Signature-Spray kombiniert Minoxidil mit drei dieser ergänzenden Wirkstoffe. Die aktuelle Kennzeichnung beschränkt die Anwendung jedoch auf Männer. Wenn eine Frau Minoxidil zur äußerlichen Anwendung in Betracht zieht, handelt es sich um eine Off-Label-Anwendung. Haarausfall nach weiblichem Muster: Erscheinungsbild und Behandlungsmöglichkeiten erläutert, was das in der Praxis bedeutet und welche Darreichungsform und Wirkstärke für sie tatsächlich durch die Evidenz gestützt werden, bevor sie mit einer Behandlung beginnt.

Welches Produkt und welche Pflegeroutine sinnvoll sind, hängt davon ab, welches Muster vorliegt, an welcher Stelle der Kopfhaut es auftritt und – besonders bei Frauen – davon, ob andere Ursachen bereits ausgeschlossen wurden und welche Darreichungsform bei einer Off-Label-Anwendung infrage kommt. Genau darauf gehen die oben verlinkten Artikel zu den jeweiligen Geschlechtern ausführlich ein. Deshalb wiederholt dieser Überblick die entsprechenden Informationen nicht.
Sobald du erkennen kannst, welche der beiden obigen Beschreibungen zu dem passt, was du tatsächlich bei dir bemerkst, folge dem entsprechenden Link. Dort findest du die praktischen Einzelheiten, die dieser Artikel bewusst ausspart – von realistischen Zeiträumen bis dazu, wie die Evidenz für die einzelnen Möglichkeiten aussieht. Wenn weitere Artikel aus der Reihe „Haarausfall verstehen“ erscheinen, findest du sie alle im Quintéa-Blog.