Erkrankungen, die Haarausfall verursachen können
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Einige wenige Erkrankungen stehen tatsächlich mit Haarausfall in Zusammenhang. Das typische Muster zu erkennen, ist hilfreicher, als eine Liste möglicher Krankheiten als Diagnose zu behandeln. Zu den Kategorien, für die es fundierte Belege gibt, zählen Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen wie Alopecia areata und Lupus, Eisenmangelanämie und andere Nährstoffmängel sowie eine Vielzahl von Erkrankungen, Medikamenten und Lebensereignissen, die eine vorübergehende Phase des Haarausfalls auslösen können, den sogenannten Telogeneffluvium. Was eine medizinische Ursache meist von gewöhnlichem erblich bedingtem Haarausfall unterscheidet, ist das Muster des Haarausfalls selbst und was sonst gerade im Körper vor sich geht. Auf diese Kombination achtet ein Arzt oder eine Ärztin, sie lässt sich nicht zuverlässig allein anhand einer Liste ermitteln.
- Diffuses Ausdünnen am ganzen Kopf, plötzlich büschelweise ausfallendes Haar und klar abgegrenzte kahle Stellen sprechen für unterschiedliche Ursachen. Das Muster ist daher genauso wichtig wie die Menge der ausfallenden Haare.
- Sowohl Schilddrüsenerkrankungen als auch Eisenmangelanämie führen dünner werdendes Haar als anerkanntes Symptom auf. Meist tritt es zusammen mit Müdigkeit und anderen Anzeichen auf und nicht allein.
- Alopecia areata und Lupus sind Autoimmunursachen mit unterschiedlichen Mustern: münzgroße kahle Stellen bei Alopecia areata, Hautausschläge auf der Kopfhaut oder Nebenwirkungen von Medikamenten bei Lupus.
- Viele Erkrankungen, Medikamente und Lebensereignisse führen über einen gemeinsamen Mechanismus namens Telogeneffluvium zu Haarausfall. Dieser tritt ungefähr drei Monate nach dem Auslöser auf und klingt meist von selbst ab.
- Haarausfall, der zusammen mit anderen neuen Symptomen, Narbenbildung oder klar abgegrenzten kahlen Stellen auftritt, sollte ärztlich abgeklärt werden, statt einfach abzuwarten.
Gewöhnlicher Haarausfall oder ein Anzeichen für etwas anderes?
Jeder Mensch verliert im Rahmen des normalen Haarwachstums ständig Haare. Entscheidend ist daher keine feste tägliche Anzahl, sondern eine Veränderung gegenüber dem, was für die jeweilige Person üblich ist. Eine Haarbürste, in der plötzlich viel mehr Haare hängen als sonst, oder ein Duschabfluss, der häufiger gereinigt werden muss, sind verlässlichere Hinweise, als zu versuchen, einzelne Haare zu zählen.
Auch die Art der Veränderung sagt etwas aus. Gleichmäßig über die Kopfhaut verteiltes Ausdünnen, eine plötzliche Handvoll Haare, die beim Duschen ausfällt, eine klar abgegrenzte kahle Stelle mit deutlichem Rand und ein langsames Zurückweichen des Haaransatzes oder eine Ausdünnung am Oberkopf sind unterschiedliche Erscheinungsformen. Es lohnt sich, den Unterschied zwischen alltäglichem Haarausfall und echtem erblich bedingtem Haarausfall zu verstehen, bevor nach einer Ursache gesucht wird.
Haarausfall, der zusammen mit anderen Veränderungen auftritt, etwa anhaltender Müdigkeit, unerklärlichen Gewichtsveränderungen, Gelenkschmerzen oder neuen Hautsymptomen, ist ein stärkerer Grund, eine medizinische Ursache in Betracht zu ziehen, als dünner werdendes Haar allein. Für sich genommen ist Haarausfall häufig und lässt sich meist durch Veranlagung, Alter oder einen vorübergehenden Auslöser erklären. Tritt er zusammen mit anderen Symptomen auf, sollte er gemeinsam mit diesen ärztlich angesprochen werden, statt als separates Rätsel betrachtet zu werden.
Schilddrüsenerkrankungen
Die Schilddrüse bestimmt das Tempo vieler Prozesse im Körper, darunter auch des Haarwachstums. Arbeitet sie zu langsam, kann sich auch der Haarwachstumszyklus verlangsamen. Trockenes, dünner werdendes Haar wird neben trockener Haut und vermindertem Schwitzen als anerkanntes Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) aufgeführt (Quelle: MedlinePlus, Hypothyroidism).
Dermatologische Quellen beschreiben dies als merkliches Ausdünnen des gesamten Haars oder als büschelweisen Haarausfall beim Bürsten und nicht als auf einen Bereich begrenztes Muster (Quelle: American Academy of Dermatology, Hair loss causes). Da sich eine Schilddrüsenunterfunktion allmählich entwickelt, nimmt die Veränderung der Haare oft so langsam zu, dass sie leicht anderen Ursachen zugeschrieben wird. Das kann so bleiben, bis sie zusammen mit den anderen typischen Symptomen abgeklärt wird, etwa Müdigkeit und einer stärkeren Kälteempfindlichkeit als sonst.
Autoimmunerkrankungen: Alopecia areata und Lupus
Zwei der bekannteren Autoimmunursachen wirken auf recht unterschiedliche Weise. Sie auseinanderzuhalten, ist wichtig für die nächsten Schritte.
Alopecia areata
Alopecia areata entsteht, wenn das Immunsystem irrtümlich die Haarfollikel selbst angreift. Typischerweise führt das zu einer oder mehreren münzgroßen kahlen Stellen mit klar abgegrenztem Rand und nicht zu allmählichem Ausdünnen über die ganze Kopfhaut (Quelle: NIH NIAMS, Alopecia Areata). Forschende gehen davon aus, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Menschen, die bereits eine andere Autoimmunerkrankung wie eine Schilddrüsenerkrankung, Vitiligo oder Psoriasis haben, entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit Alopecia areata. Das deutet eher auf einen gemeinsamen Immunmechanismus als auf einen Zufall hin.
Lupus
Lupus kann auf zwei unterschiedliche Arten Haarausfall verursachen. Bei aktiver Erkrankung können Ausschläge oder Wunden auf der Kopfhaut auftreten. Wo das geschieht, kann die betroffene Haut vernarben, was das Nachwachsen an dieser konkreten Stelle dauerhaft einschränken kann. Unabhängig davon können manche Medikamente zur Behandlung von Lupus, darunter Steroide und Immunsuppressiva, als Nebenwirkung selbst eine Ausdünnung der Haare verursachen. Bei dieser Art von Haarausfall ist zu erwarten, dass die Haare nach dem Absetzen oder Wechsel des Medikaments wieder nachwachsen (Quelle: Lupus Foundation of America, Hair Loss and Lupus). Aus Haarausfall allein lässt sich keines dieser beiden Probleme ableiten. Sie sind relevant, weil sie die Bedeutung des Haarausfalls verändern, wenn Lupus bereits diagnostiziert wurde oder anderweitig vermutet wird.
Eisenmangelanämie und andere Nährstoffmängel
Zu den Symptomen einer Eisenmangelanämie zählen Haarausfall und brüchige Nägel. Meist treten sie zusammen mit Müdigkeit, Schwindel, blasser Haut und Kurzatmigkeit auf, wenn der Mangel stärker ausgeprägt ist (Quelle: MedlinePlus, Iron deficiency anemia). Dermatologische Quellen beschreiben ein ähnliches Muster bei anderen Mängeln: Ein niedriger Biotin-, Eisen-, Protein- oder Zinkspiegel kann jeweils merklichen Haarausfall verursachen, der sich zurückbildet, sobald der Mangel durch Diagnose und Behandlung behoben ist.
Der sinnvolle nächste Schritt ist hier ein Bluttest und kein Raten. Zuerst ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und abzuwarten, was passiert, sagt nur sehr wenig aus, denn so lässt sich weder bestätigen, ob überhaupt ein Mangel vorlag, noch wie ausgeprägt er war oder ob gleichzeitig noch etwas anderes vor sich geht.
Telogeneffluvium: der gemeinsame Mechanismus hinter krankheitsbedingtem Haarausfall
Mehrere der oben genannten Ursachen und etliche weitere führen über denselben Weg zu Haarausfall: Die Haarfollikel auf der Kopfhaut wechseln vorübergehend in die Ausfallphase. Das wird als Telogeneffluvium bezeichnet. Die Liste möglicher Auslöser ist lang. Dazu zählen hohes Fieber oder eine schwere Erkrankung, größere Operationen, erheblicher körperlicher oder seelischer Stress, rascher Gewichtsverlust, eine Geburt, der Beginn oder das Absetzen bestimmter Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen und Eisenmangel (Quelle: British Association of Dermatologists, Telogen Effluvium).
In der Praxis ist dieser Mechanismus verwirrend, weil die Verzögerung den Zusammenhang verschleiert: Der Haarausfall beginnt typischerweise etwa drei Monate nach dem Auslöser, nicht sofort. Deshalb ist der Zusammenhang zwischen dem Ereignis und dem Haarausfall oft erst beim Blick auf den zeitlichen Verlauf offensichtlich. War die Geburt wahrscheinlich der Auslöser, beschreibt der Zeitverlauf des Haarausfalls nach der Geburt genauer, was als normal gilt und wann er ungefähr aufhören sollte.
Ein Telogeneffluvium klingt typischerweise innerhalb von drei bis sechs Monaten von selbst ab, während sich der Wachstumszyklus wieder einspielt. Es kann allerdings etwas länger dauern, bis die Haardichte insgesamt wieder normal aussieht. Hält der Haarausfall deutlich länger an, statt allmählich nachzulassen, ist es sinnvoll, nicht länger davon auszugehen, dass er von selbst abklingen wird. Ein genauerer Blick auf das Telogeneffluvium und seine Unterschiede zu erblich bedingtem Haarausfall erläutert den Mechanismus und den zeitlichen Verlauf der Erholung ausführlicher.
Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist
Bestimmte Anzeichen sprechen dafür, die Ursache abklären zu lassen, statt abzuwarten: eine klar abgegrenzte kahle Stelle statt diffusem Ausdünnen, Anzeichen von Narbenbildung oder Wunden auf der Kopfhaut, plötzlicher und starker Haarausfall oder Haarausfall zusammen mit anderen neuen Symptomen. Allgemeine Gesundheitsempfehlungen weisen für alle, die nicht wissen, wo sie anfangen sollen, in dieselbe Richtung: Bei Haarausfall ärztlichen Rat einholen, auch bevor eine gewerbliche Haarklinik aufgesucht wird, damit die Ursache festgestellt wird, bevor etwas behandelt wird (Quelle: NHS, Hair loss).
Eine Ärztin oder ein Arzt kann die Kopfhaut direkt untersuchen und Bluttests veranlassen, mit denen sich eine Schilddrüsen- oder Nährstoffursache eingrenzen lässt. Eine Liste möglicher Erkrankungen kann das nicht leisten. Welche Bluttests bei Haarausfall ärztlich veranlasst werden können beschreibt, was dabei üblicherweise untersucht wird. Wenn das Muster fleckig oder vernarbend aussieht oder bei der Untersuchung anderweitig unklar ist, erläutert ein Leitfaden dazu, wann und wie bei Haarausfall eine dermatologische Praxis aufgesucht wird den nächsten Schritt genauer.
Eine Übersicht wie diese soll dabei helfen zu entscheiden, ob eine medizinische Ursache abgeklärt werden sollte – nicht, diese Abklärung durch eine Vermutung zu ersetzen. Bei der Ursache des Haarausfalls statt beim Produkt anzusetzen, ist grundsätzlich die sinnvollere Reihenfolge, und das gilt auch hier: Sobald eine Ärztin oder ein Arzt eine medizinische Ursache ausgeschlossen oder bestätigt hat, lässt sich viel besser einschätzen, was gegebenenfalls in die Pflegeroutine aufgenommen werden sollte. Bis dahin ist eine sanfte, parfümfreie Haarwäsche wie das Shampoo gegen Haarausfall eine vernünftige Möglichkeit, die Kopfhaut angenehm zu pflegen, ohne so zu tun, als würde es eine der hier beschriebenen Erkrankungen behandeln. Ein Shampoo wird innerhalb weniger Minuten ausgespült und war von vornherein nicht das richtige Mittel gegen eine Ursache an der Schilddrüse, eine Autoimmunursache oder einen Nährstoffmangel.
